Kleine Geschichte des Gefilte Fest Dresden e.V.

Essen ist wichtig! Und lecker! und verbindend! Aber bei uns im Judentum ist es auch noch sinnstiftend und tief verwurzelt in fast allen Bereichen der Religion und Tradition. Fast jedes Fest bringt Speiserituale mit sich. Und – Hand auf’s Herz – wer von uns liebt sie nicht, die Apfelscheiben in Honig und die Mazzeknödel zu Pessach? Die Jüdische Küche ist vielfältig – viel bunter als die meisten anderen Küchen, die sich vorwiegend auf nur eine Weltregion begrenzen und die Zutaten dieser Region als Basis haben. Juden gibt es überall und so ist auch unsere Küche überall zu hause. Zutaten aus allen Winkeln der Erde treffen auf eine klar definierte Kaschrut. Das Ergebnis ist eine Küche, mit einer einmaligen Mischung aus regionalen Besonderheiten einerseits und gemeinsamen (quasi globalen) Vorschriften andererseits.

Unsere Küche lehrt uns viel über unsere Religion, sie zwingt uns geradezu, immer zu wissen, was wir essen und bei der Zubereitung und Auswahl stets gewissenhaft zu prüfen, wie wir mit Lebensmitteln umgehen. Eigentlich gar nicht so unmodern für eine jahrtausendealte Tradition, oder? Auch außerhalb des Judentums wird heute viel auf Art, Herkunft und Qualität der Speisen geachtet und darauf, dass bestimmte moralische, ökologische oder nachhaltige Prinzipien eingehalten werden, bis die Speise auf unseren Tellern und unseren Mägen landet.

Unsere Speisen und ihre Traditionen sagen auch nicht Juden viel über unsere Religion, können ein Anknüpfungspunkt sein sich zu begegnen, sich kennen zu lernen und sich auszutauschen. Und wenn das nicht so gut klappt, ist es immer noch schön, miteinander zu speisen. Es ist – schon in der Tora – eben von besonderer Bedeutung, mit wem man zu Tisch sitzt und was man gemeinsam isst. Wir haben deshalb einen Verein gegründet, der uns helfen soll, die jüdische Küche innerhalb und ausserhalb der Gemeinde bekannt zu machen, gemeinsam zu genießen und zu ergründen, inwieweit die vielen uralten Regeln der Kaschrut heute aktuelle Bezüge und Bedeutungen haben. Wir wollen dies vor allem mit einem jährlichen Food Festival in Dresden verwirklichen, auf dem mit Präsentationen, Kochkursen, Kochshows, Filmen, Vorträgen und vielem mehr die jüdische Küche erlebbar gemacht wird. Der Name des Festivals ist, wie der Name des neuen Vereins: Gefilte Fest Dresden und das erste Mal fand das Festival im Rahmen der 19. Jüdischen Musik- und Theaterwoche Dresden am 1. November 2015 im Deutschen Hygiene Museum statt. Seitdem ist es zu einer jährlichen Veranstaltung geworden und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Vor allem bekommen wir viel Lächeln und Zufriedenheit aufgrund der familiären Atmosphäre und der lockeren Stimmung, die allen die Möglichkeit gibt, ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und selber mit auszuprobieren.

In den vergangenen Jahren haben wir unbekannte und berühmte, weitgereiste und regionale, traditionelle und progressive Köchinnen und Köche eingeladen, die Workshops zu geben. Aus Dresden, Berlin, Israel, Rom, London, Tschechien, der Ukraine, Iran, Syrien, New York, Polen, Mailand und anderen Orten kamen unsere Workshopleiter*innen und haben ihre Einflüsse auf die jüdische Küche mitgebracht.

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